Geschichte und Philosophie


Die Kinesiologie war von Anbeginn eine Methode mit ausgeprägter Dynamik. Aus dem medizinischtherapeutischen Kontext heraus entwickelten sich vielfältige Konzepte und Richtungen, die sich immer wieder gegenseitig beeinflussten. Im Laufe der Zeit entstand auf diese Weise die komplementärtherapeutische Ausrichtung, wie sie in dieser Methodenidentifikation beschrieben ist. Um die komplexe Geschichte der Kinesiologie übersichtlich dazustellen, teilt man sie am besten in drei Etappen ein. 

Geschichte der 1. Generation 

Die Kinesiologie hat ihren Ursprung in den 1960er Jahren in den USA. Die Bedeutung des Wortes („Bewegungslehre”) weist darauf hin, dass sich die Kinesiologie im Wesentlichen mit Bewegung befasst. Manuell ausgeführte Muskeltests dienen als Kommunikationsmittel sowie als Werkzeug für Befunderhebung, Intervention und Evaluation.
Ursprünglich wurden Muskeltests im Rahmen der Chiropraktik und Physiotherapie durchgeführt, um die Kraft einzelner Muskeln zu testen. Die Wurzeln der in der Kinesiologie gebräuchlichen Muskeltests sind zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts vom Orthopädischen Chirurgen Dr. Robert W. Lovett von der Harvard Medical School (USA) entwickelt und in den 1930er Jahren von den Physiotherapeuten Florence und Henry Kendall (USA) weiter entwickelt worden.
Auf dieser Grundlage entwickelte George Goodheart, D.C. (Doctor of Chiropractic, USA) 1964 die Applied Kinesiology, aus der direkt oder indirekt sämtliche weiteren Kinesiologierichtungen hervorgegangen sind. Laut seiner Aussage „...begann die Applied Kinesiology mit einem einfachen Konzept und der Erkenntnis, dass bei Muskelspasmen meist eine Schwäche der Antagonisten beteiligt ist und zwar ursächlich. Die damalige Behandlung bestand darin, schwache Muskeln mit verschiedenen manuellen Methoden zu stärken.
Alan Beardall, D.C. (USA) veränderte die Muskeltestabläufe so, dass nicht die Stärke der Muskeln, sondern deren Tonusänderung und neurophysiologische Aktivität getestet wurde. In diesem neuen Kontext konnten die Muskeltests eingesetzt werden, um die Reaktion des Organismus auf einen beliebigen Reiz zu testen, womit sich eine Fülle neuer Interpretationsmöglichkeiten eröffnete.
Dr. Goodheart untersuchte auch die Beziehungen zwischen Muskeln und Organen. Entscheidend war dann seine Idee, die Muskel-Organ-Beziehungen der Applied Kinesiology mit den Meridian-Organ-Beziehungen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zusammenzuführen. Der daraus resultierende Zusammenhang Muskeln-Meridiane wird häufig zur Interpretation der Muskeltestergebnisse verwendet.
Ab 1965 entwickelte ein Freund und Kollege von Dr. George Goodheart, John Thie, D.C. (USA) zusammen mit seiner Frau Carrie Thie das Touch for Health, um dem Laien einfache und sichere Anwendungen der Applied Kinesiology zugänglich zu machen und ihnen damit eine Methode zur Gesundheitsvorsorge in die Hand zu geben. Auch wenn Touch for Health für die Selbsthilfe konzipiert war, wurde es schon von Beginn an von Therapeuten genutzt. Es verbreitete sich sehr rasch und ist heute weltweit das am häufigsten genutzte Kinesiologiekonzept mit Organisationen in über 60 Ländern und jährlichen internationalen Kinesiologiekonferenzen. Touch for Health lässt sich in vielen Arbeitsfeldern einsetzen, sodass sich im Laufe der Zeit verschiedentlich Anwender dazu inspirieren liessen, Touch for Health weiter zu entwickeln. So entstanden aus dem Touch for Health viele Kinesiologiekonzepte für die professionelle Anwendung. 1990 übertrug Dr. John Thie die Pflege des Touch for Health-Curriculums an die Touch for Health Foundation. Diese Organisation ging ins International Kinesiology College (IKC) über, eine Non-Profit-Organisation, die auch für die Ausbildung der Touch for Health-Instruktoren zuständig ist.


Entwicklungen der 2. Generation (in alphabetischer Reihenfolge der Konzepte)

Die Kinesiologiekonzepte der „zweiten Generation“ wurden direkt aus der Applied Kinesiology von Dr. Goodheart und / oder dem Touch for Health von Dr. Thie entwickelt. Sie werden in der Schweiz unter dem Begriff Kinesiologie zusammengefasst.
Die Applied Physiology wurde von Richard D. Utt (USA) in den frühen 1980ern aus der Applied Kinesiology und dem Touch for Health entwickelt. Die Applied Physiology ist ein Gesamtsystem und beinhaltet viele Test- und Arbeitstechniken der Kinesiologie. Grundlage zur Interpretation der Testergebnisse sind die Meridiane der TCM sowie die Lehre der Fünf Wandlungsphasen, die in der Applied Physiology zur Sieben-Elemente-Lehre erweitert wird. Zusätzlich zu den üblichen Behandlungsschritten kommt das „Setup“ hinzu. Die Techniken und Behandlungsschritte werden in ein mehrdimensionales Handlungsmodell, Hologramm genannt, integriert. Prioritäten, geeignete Schritte und Themenspezifizierungen werden über ein System von Modes getestet. Das Besondere an der Applied Physiology ist, Befunde der westlichen Medizin in die „Sprache" der Meridiane und Elemente zu übertragen. Die Applied Physiology wird in allen klassischen Anwendungsgebieten der Kinesiologie eingesetzt. Durch das systemische Vorgehen können andere Methoden integriert werden.
Sheldon Deal D.C. (USA), USA, Prüfungsexperte des ICAK (International College for Applied Kinesiology) und begeisterter Anwender der „Applied Kinesiology“, formte die professionelle Kinesiologie so um, dass Fachleute und Laien die Techniken der Kinesiologie sicher anwenden konnten. In der Basis-Kinesiologie sind die grundlegendsten Techniken der „Applied Kinesiology“ gesammelt und stehen damit den Anwendern zur Verfügung. Dr. Sheldon Deal bildete eine Brücke zwischen „Applied Kinesiology“ und der Laien-Bewegung.
Die Edukinestetik wurde vom Erziehungswissenschaftler Dr. Paul und Gail Dennison (USA) zu Beginn der 1980er Jahre entwickelt. Die Edukinestetik folgt dem pädagogischen und begleitenden Modell. Im Mittelpunkt steht das Wachstum, die Verantwortung und die Unterstützung von individuellen Bewegungs-, Haltungs- und Lernprozessen. Die Klientin / der Klient erhält eine Möglichkeit, in den verschiedensten Lern- und Lebensbereichen seine Fähigkeiten zu spüren und sein Potenzial zu entwickeln. Die Philosophie, Sprache und Prozesse der Edukinestetik basieren auf der Pädagogik (Arnold Gsell, Maria Montessori, John Holt u.a.), der Kinesiologie und der Neurobiologie. In der Edukinestetik stehen die Freude und die Leichtigkeit beim Lernen durch Bewegung im Mittelpunkt. Eine Fülle von Ausgleichstechniken und Übungen wie z.B. das Brain Gym stehen zur Verfügung.
Die Biologin Dr. Carla Hannaford (USA) untersuchte die neurophysiologischen Hintergründe und Zusammenhänge im Spannungsfeld von Bewegung, Gesundheit und Lernen und hat wichtige Grundlagen zum Verständnis der Edukinestetik beigetragen. Das Konzept stellt die natürliche Freude und Leichtigkeit beim Lernen durch Bewegung in den Mittelpunkt, wofür eine Fülle von Bewegungen, Modellen und Techniken zur Verfügung stehen. Die Balance ist geprägt von der inneren Einstellung, dass alle Menschen ähnliche Herausforderungen haben, die Lösungen aber einzigartig und individuell sind.
Health Kinesiology wurde von Dr. Jimmy Scott, Ph.D. aus Kanada in den späten 1970ern begründet und stetig weiterentwickelt. Die Health Kinesiology versteht sich als komplementäres und integratives System der Gesundheitsförderung und der Bioenergiearbeit. Sie baut auf der Applied Kinesiology und dem Touch for Health auf. In der Health Kinesiology werden Energiebalancen angewendet, bei welchen Affirmationen, Akupressur, Klopftechniken, Kristalle, Essenzen, Licht, Klang, sensorische Reize und bioenergetische Hilfsmittel zum Einsatz kommen. Das Anwendungsspektrum dieses kinesiologischen Gesamtsystems reicht von körperlichen Themen wie Entgiftung, Allergien und Ernährung bis hin zu psychischen Themen
Die Integrative Kinesiologie wurde in den frühen 1980er Jahren von der Psychologin und Sozialarbeiterin Rosmarie Sonderegger (CH) begründet. Sie verbindet kinesiologische Techniken mit dem gesprächstherapeutischen Ansatz von Carl Rogers und psychologischen Aspekten aus den Fünf Elementen nach der TCM. Aus dieser Kombination ist das Themenrad hervorgegangen, in welchem diese Grundlagen zu 50 psychologischen Themen verwoben sind. Durch die Anwendung des Themenrades in Verbindung mit personenzentriertem Gespräch und kinesiologischen Techniken erfahren Klienten ihre persönliche Lebenssituation aus einer neuen Sichtweise. Unbewusste Muster, Hintergründe und Zusammenhänge sowie Diskrepanzen zwischen Denken und Fühlen können gezielt aufgespürt und ausgeglichen werden. Die Integrative Kinesiologie als Gesamtkonzept wird auf der Grundlage neuester Erkenntnisse aus psychologischer und neurologischer Forschung laufend weiterentwickelt.
Frank Mahony (USA) entwickelte das Konzept Hyperton-X aufgrund seiner Erfahrung in der Arbeit mit Lernbehinderten, Hochbegabten und Sportlern in Zusammenarbeit mit Dr. Paul Dennison sowie Chiropraktoren, Osteopathen, Psychologen, Sängern und Trainern. Ein wichtiger Aspekt dieses Konzepts ist das Auffinden jener hypertonen Muskeln, die bei der Gehirnintegration eine Schlüsselrolle spielen. Mit spezifischen therapeutischen Techniken werden im Gewebe gespeicherte traumatische Lebensereignisse abgelöst. Dadurch wird die „Fehlkommunikation“ zwischen Muskel und Gehirn aufgehoben und die Propriozeption neu eingestellt. Ziel ist die Lösung von Blockaden in der Zirkulation der Zerebrospinalflüssigkeit, die Verbesserung der endokrinen Kommunikation und die Behebung von Störungen in der Verarbeitung von sensorischen Informationen.
Dr. John Diamond, M.D. ein Psychiater aus den USA, machte ab 1971 eine Ausbildung in Applied Kinesiology und vertiefte seine Kenntnisse direkt bei Florence Kendall. Er führte Aspekte der psychosomatischen Medizin in die Applied Kinesiology ein, durch welche die mentale Seite der Triade der Gesundheit erweitert wurde. Ende der 1970er entwickelte er die Behavioral Kinesiology, die er später Life-Energy Analysis nannte. Im Mittelpunkt steht hier das Meridiansystem als verbindendes Kommunikationssystem zwischen Emotionen, Organen und Muskeln. Um den natürlichen Fluss der Lebensenergie zu unterstützen und Auswirkungen von Stress zu beheben, werden viele unterschiedliche Techniken eingesetzt, z.B. Thymusklopfen, Meridian-Affirmationen, Akupunkturpunkte und Musik.
Ab den späten 1970ern entwickelte Dr. Carl Ferreri, D.C. (USA) die Neurale Organisationstechnik als ein System zur Neuorganisation des Nervensystems mit dem Ziel des freien neuralen Flusses zwischen Gehirn und Körper. Inspiriert wurde Dr. Ferreri von einem Artikel über die basalen Überlebensreflexe, im Speziellen den Kampf-Flucht-Reflex. Auf der Grundlage chiropraktischer Techniken, in Kombination mit kinesiologischen Muskeltests und verschiedenen kranialen Techniken entwickelte er ein strukturiertes Behandlungsprotokoll. Anfänglich wurde vorwiegend auf der Strukturebene gearbeitet, später wurden auch Techniken zur Behandlung von emotionalen und biochemischen Ungleichgewichten dazu genommen, so dass heute jeder Schritt des gesamten Protokolls mit Hilfe der Triade der Gesundheit überprüft und herausgefordert werden kann. Die Neurale Organisationstechnik lässt sich gut mit anderen Methoden kombinieren, das originale Behandlungsprotokoll bildet aber stets den roten Faden.
Professional Kinesiology Practitioner wurde ab Ende der 1980er vom Neuseeländer Bruce Dewe, M.D. zunächst als Kinesiologieausbildung für Neuseeland entwickelt und erhielt dort als Ausbildungssystem die staatliche Anerkennung. Inzwischen umfasst das von Dr. Dewe und seiner Frau Joan Dewe gegründete International College of Professional Kinesiology Practice (ICPKP) weltweit 30 Ausbildungsstätten. Dieses kinesiologische Gesamtsystem ist zielorientiert und beinhaltet einzelne Techniken aus den Bereichen Osteopathie, TCM, Psychologie, Naturheilkunde, Ernährungslehre, Klangtherapie, Farbtherapie und anderen Bereichen, die der persönlichen Entwicklung dienen. Ein System von Fingermodes zur Ermittlung angemessener Balanceschritte charakterisiert das Vorgehen.
Der Begründer der Sportkinesiologie, John Varun Maguire, verbindet in seinem Konzept Kenntnisse aus der Angewandten- und der Touch for Health-Kinesiologie. Die Sportkinesiologie widmet sich dem Herz-Kreislauf-System, der Flexibilität, der Muskelstärke und der Muskelausgewogenheit sowie der biochemischen Balance und der geistigen Fitness. Ein Ausgleich in diesen Bereichen erhöht die Leistungsfähigkeit von Athleten und ist auch in anderen Gebieten einsetzbar.
Three In One Concepts entwickelte sich seit 1983 aus der Zusammenarbeit von Gordon Stokes und Daniel Whiteside (beide USA). Sie liessen ihr Wissen aus der Verhaltensgenetik in die Kinesiologie einfliessen. Aus ihrer Sicht prägen vergangene Erlebnisse sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft. Im Mittelpunkt von Three In One Concepts steht die persönliche Autorität und das Zurückgewinnen der inneren Stärken, die durch unvorteilhafte Gewohnheiten, Einstellungen und Verhaltensweisen aus der Vergangenheit blockiert sind. Emotionaler Stress wird abgebaut, um mit neuen Wahlmöglichkeiten und individuellen Stärken das Leben aktiv und zielgerichtet zu gestalten. Basis dieses Systems bildet das Verhaltensbarometer, welches hilft, negative Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern.
Dr. Wayne Topping, ein Geologe aus Neuseeland, lernte 1976 das Touch für Health kennen und absolvierte verschiedene Ausbildungen der ganzheitlichen Gesundheitslehre. Von Kinesiologen inspiriert, machte er dieses „Hobby" zum Beruf. Das Thema Stress und dessen Bewältigung steht im Mittelpunkt der von ihm entwickelten Wellness-Kinesiologie. Der Schwerpunkt liegt darin, dem Klienten durch Kinesiologietechniken wie Emotional Stress Release (ESR), Gehirnintegration oder Schläfenklopfen den Zusammenhang von Emotionen, Organen und Meridianen aufzuzeigen und zu balancieren. Die 14 Meridiane des Touch for Health werden durch die acht Extrameridiane der Biokinesiology erweitert, damit ergeben sich zusätzliche Möglichkeiten in einer Balance.

Entwicklungen der 3. Generation (in alphabetischer Reihenfolge der Konzepte)

Auf der Grundlage eines oder mehrerer der oben aufgeführten Konzepte entwickelten sich hauptsächlich in Australien und Europa die folgenden weiteren Kinesiologie-Konzepte.
Die Entwicklungskinesiologie wurde von Renate Wennekes und Angelika Stiller (beide Deutschland) in den 1990er Jahren entwickelt und basiert auf Erkenntnissen zur frühkindlichen Entwicklung bis ca. zum 4. Lebensjahr. Das Konzept baut im Wesentlichen auf den Brain-Gym-Übungen auf und vermittelt vertiefte Zusammenhänge aus entwicklungsgeschichtlicher Sicht. Mit diesem Setting werden die einzelnen Bereiche der frühen Kindheit, angefangen von der Empfängnis bis zur Sprachentwicklung bearbeitet und Blockaden gelöst, um die angeborene Lebenskraft wieder zurück zu gewinnen. Die Sichtweise der Entwicklungskinesiologie unterstützt Eltern und Pädagogen, den wesentlichen Naturgesetzen des menschlichen Aufwachsens zu folgen und so dem Kind optimale Entwicklungsbedingungen zu bieten.
Das Konzept In Balance-ing / Psychodynamische Kinesiologie wurde von Dr. Brigitte C. van Putte-Hohenwarter (Österreich / Holland) entwickelt. Bei diesem Ansatz wird innerhalb eines spezifischen Muskeltestsettings mit Hilfe von psychodynamischen Punkten das Stressthema sichtbar. Der Stress mit einem Thema zeigt sich im Körper, im Energiesystem, der Gefühlswelt und den Gedanken und unterbricht die Verbindung des Menschen zu sich selbst und seiner Umwelt. Das Ziel von In Balance-ing / Psychodynamischer Kinesiologie ist es, diesen Stress zu lösen, sodass die Energie wieder frei fliessen kann. Der Mensch ist wieder mit sich, seinen Fähigkeiten, seiner Intuition, aber auch seiner Umwelt in Verbindung. Das Konzept ist klar der Kinesiologie im Rahmen der KomplementärTherapie zuzuordnen, obwohl der Titel suggeriert, dass es sich bei den Inhalten um Anwendungen im Wellnessbereich handelt. Durch diese Verbindung geschehen Veränderungen und es entwickeln sich neue Lebenschancen.
Das Learning Enhancement Program wurde von den Australiern Dr. Charles Krebs und Susan Mc Crossin in Zusammenarbeit mit dem Melbourne Applied Physiology Institute sowie klinischen Psychologen und Neurologen entwickelt. Dr. Charles Krebs, ehemals Meeresbiologe, hatte sich aufgrund eigener Betroffenheit der Kinesiologie verschrieben. Er entwickelte ein umfassendes und differenziertes Spezialprogramm für Lern- und Teilleistungsstörungen. Im Learning Enhacement Program werden die verschiedenen Gehirnbereiche und deren neurologische Verbindungen angesprochen und sämtliche Dysfunktionen in einer aufbauenden Reihenfolge grundlegend balanciert, um den Weg zu einem integrierten Gehirn zu ebnen.
Der Australier Hugo Tobar entwickelte nach seiner Ausbildung bei Dr. Charles Krebs, dem Entwickler des Learning Enhacement Program, unter dem Namen Neuro-Energetische Kinesiologie ein eigenes kinesiologisches Konzept. In seinem Ansatz verbindet er altes Wissen aus China und Indien (z.B. Meridiane, Akupressurpunkte, Nadis und Chakren) mit Erkenntnissen aus der Gehirnforschung. Ein Schwerpunkt in seinem Vorgehen ist das sogenannte „Brain Formatting“, eine Kombination aus Akupressurpunkten und Mudras, welches dazu dient, Stressmuster im Körper aufzudecken. Auf diese Art wird der Mensch über seine energetische Struktur auf den drei Ebenen Psyche, Körperstruktur sowie Körperfunktion angesprochen, sodass Stress in allen Bereichen gezielt identifiziert und aufgelöst werden kann.
Irmtraud Große-Lindemann (Deutschland) übertrug die Idee von Richard Utt, Gehirnbereiche bis hin zu einzelnen Nerven über Akupunkturpunkte anzusteuern und zu balancieren, auf das gesamte Gehirn und entwickelte daraus das Konzept Neuro Meridian Kinestetik. Es dient primär dazu, ein bestimmtes Thema, eine Problematik über die Informationen zu den beteiligten Gehirnbereichen möglichst genau einzugrenzen, um diese dann anschliessend je nach Bedarf aufzuwecken, zu beruhigen, zu integrieren oder zu stärken. NMK kann überall dort angewendet werden, wo Potenzial blockiert zu sein scheint, sei es im körperlichen, emotionalen, funktionalen oder mentalen Bereich.
Das Konzept Neuro Training (vormals Educating Alternatives) wurde vom australischen Heilpraktiker und NLP-Practitioner Andrew Verity entwickelt. Das besondere Anliegen dieses Konzepts besteht darin, die jedem angeborenen genetischen Ressourcen zur Heilung und zur Entwicklung psychischer und mentaler Potenziale voll zugänglich zu machen, indem innere Körperzyklen und physiologische Rhythmen genutzt und ausgeglichen werden.
Die Spiralik wird seit 1996 vom Schweizer Sportlehrer und Physiotherapeuten Dominik Schenker entwickelt und hat zum Ziel, die vielfältigen Bewegungsprozesse in Körper, Seele und Geist auf einen gemeinsamen Nenner zurückzuführen. Kernelement der Spiralik ist die Verbindung der 5 Wandlungsphasen aus der TCM mit den 5 Prinzipien der Spiraldynamik zum dynamischen Beziehungsmodell Entwicklungsspirale. Dieses wird als Grundmuster von Bewegungsprozessen und grundlegendes Organisationsprinzip des Bewusstseins verstanden. Über die Beziehungsdynamik lassen sich frappante Zusammenhänge zwischen Befindlichkeit, gesundheitlicher Situation und subjektiver Erfahrung der eigenen Lebenswelt erkennen. Unangenehme Situationen jeglicher Art lassen sich als innere und äussere polare Beziehungsmuster identifizieren, welche sich durch paradoxe Antriebskräfte blockieren. Mittels spezifischer Ausgleichstechniken kann die Bewusstseinsentwicklung und Selbstregulation unterstützt werden.
Das Konzept Stress Indicator Points System wurde vom Australier Ian Stubbings entwickelt. Mit Hilfe spezifischer Punkte im Meridiansystem kann die Natur eines Stresses genau bestimmt werden. SIPS ermöglicht ein massgeschneidertes, tiefgreifendes und sanftes Arbeiten. SIPS ist ein eigenständiges Konzept, kann aber in jedes andere integriert werden. Die Anwendung der Stressindikatorpunkte kann die kinesiologische Arbeit vertiefen.
Entwicklungspotenzial der Kinesiologie Entwicklung ist ein der Kinesiologie innewohnendes Grundprinzip. So versteht es sich, dass die Methode auch in Zukunft weitere Kinesiologiekonzepte nach den Prinzipien des bekannten Aufbaus hervorbringen kann.


Verbreitung

Die Vielfalt an Kinesiologie-Konzepten bildete mit der Zeit die Basis für eine professionelle Kinesiologiebewegung.
Dr. Alice Thie Viera, Ph.D. und ihr Mann Kim Viera brachten das TFH nach Australien. Einige Jahre später gründeten Kerryn Franks, Christopher Rowe und Dr. Charles Krebs, Ph.D. die erste Kinesiologieschule mit staatlicher Anerkennung. In Europa brachten zunächst Brian Butler, Natalie Davenport und Pat Harrington das TFH nach England. Von dort gelangte es durch Yoka Brauer, Coby Schaasfoort und Aria den Hartog nach Holland.
Seit Anfang der 1980er Jahre entwickelte und verbreitete sich die Kinesiologie in Europa. In Deutschland gründeten Alfred Schatz, Susanne Degendorfer, Matthias Lesch und Helga Petres das Institut für Angewandte Kinesiologie (IAK), bis heute der weltweit grösste Seminaranbieter für Kinesiologie. Jean François Jaccard übersetzte das TFH ins Französische und organisierte die 1. Internationale TFH-Conference in der Schweiz. Rosmarie Sonderegger wurde die zweite TFH-Instruktorin der Schweiz und Mitglied der TFH-Faculty. Sie bot als erste Schulleiterin einen Jahreskurs und später eine dreijährige Ausbildung für professionelle Kinesiologinnen und Kinesiologen an. Das von ihr gegründete Institut für Kinesiologie in Zürich leistete einen wichtigen Beitrag für die Verbreitung der Kinesiologie in der Schweiz.
Die verschiedenen Kinesiologie-Konzepte werden weltweit durch ihre entsprechenden Organisationen vertreten, die auch internationale Kinesiologie-Konferenzen organisieren.
Parallel zur Entwicklung der verschiedenen Kinesiologie-Konzepte ist die Applied Kinesiology von Dr. Goodheart weiterhin ihren eigenen Weg als Methode für Ärzte, Zahnärzte, Chiropraktoren, Physiotherapeuten, etc. gegangen. An ihrer Entwicklung waren und sind beteiligt: Dr. Sheldon Deal, D.C., Dr. Joe Schaeffer, D.C., Dr. Walter H. Schmitt, D.C., Dr. David Leaf, D.C. und viele andere.

Veröffentlichungen

Dr. Goodheart veröffentlichte seine Forschungsergebnisse und die seiner Studiengruppe (die sogenannten „Dirty Dozen“, zu denen auch John Thie, Alan Beardall und Sheldon Deal gehörten) in der Reihe seiner Research Manuals. Dr. David Walther, D.C. fasste 1988 alle wesentlichen Arbeitstechniken im Buch: Applied Kinesiology Synopsis zusammen (Verlag Systems DC, Pueblo, Colorado 81004).
Ein eigentliches Lehrbuch der Kinesiologie gibt es nicht, die einzelnen Kinesiologie-Konzepte verfügen jedoch über ausführliche Skripte. Auf dem Markt sind viele Bücher zum Thema Kinesiologie erhältlich.

Philosophie

Der Begründer der Chiropraktik D.D. Palmer postulierte die Grundidee der „angeborenen Intelligenz“. Die Kinesiologie hat diesen Ansatz übernommen und erweiterte ihn dahingehend, dass das Wissen zur Selbstheilung im Organismus vorhanden ist. Der kinesiologische Muskeltest verleiht diesem Wissen Ausdruck.
Die von Palmer ab 1911 beschriebene Triade der Gesundheit ist ein weiteres Element der kinesiologischen Betrachtungsweise. Palmer stellte die in seiner Methode wichtigen Faktoren der Gesundheit – Struktur, Biochemie und Psyche – veranschaulichend als Seiten eines Dreiecks dar. Die Bereiche interagieren untereinander, sind bei einem gesunden Menschen in Balance und bilden ein gleichseitiges Dreieck. Sind einer oder mehrere der drei Bereiche im Ungleichgewicht, können grundsätzlich alle Bereiche Ansatz für die therapeutische Arbeit sein, wobei Palmer postulierte, dass die anderen Aspekte der Triade, unabhängig vom gewählten Ansatz, ebenfalls ausgeglichen werden.
Die verschiedenen Kinesiologie-Konzepte unterscheiden sich in der Gewichtung dieser drei Bereiche und setzen einen weiteren Aspekt, das Energieverständnis, bzw. die Meridiane und die Lehre der Fünf Elemente der Traditionellen Chinesischen Medizin als übergeordneten Ansatz ins Zentrum ihrer Vorgehensweise.

Quelle: Methodenbeschrieb KineSuisse