Muskeltest - Das Biofeedbacksystem

Die Kinesiologie geht davon aus, dass psychische, strukturelle sowie ernährungs- und stoffwechselbedingte Faktoren den Energiefluss des Körpers und somit das körperliche, seelische und geistige Erleben beeinflussen. Die kinesiologischen Muskeltests spiegeln den Zustand des energetischen Gleichgewichts und machen ihn sicht- und erlebbar. Sie sind das zentrale Arbeitsinstrument der Kinesiologie, mit denen die Wirkung äusserer und innerer Einflüsse (Gedanken, Handlungen, Gefühle, Stressoren etc.) auf den Organismus getestet wird. Sowohl belastende als auch fördernde Einflüsse haben Veränderungen des Energieflusses und der Muskelspannung zur Folge, die über Muskeltests wahrgenommen werden können.

Mittels Muskeltests werden nicht nur Ungleichgewichte im Energiesystem aufgedeckt, auch die geeigneten Ausgleichstechniken können auf diese Art individuell ermittelt werden. Der Energieausgleich wird in unterschiedlichem Ausmass mit den komplementärtherapeutischen Mitteln Berührung, Bewegung, Energie und Atem in Bezug auf ein spezifisches Thema oder eine Zielsetzung durchgeführt. Die Klienten kommen mit ihren Ressourcen in Kontakt und erleben, wie diese eine Harmonisierung der Energien ermöglichen und einen Prozess in Gang bringen. Das bewusste Nachspüren der Veränderung und Übungen zur regelmässigen Durchführung im Alltag festigen die Wirkung einer kinesiologischen Balance.

Anwendung der Kinesiologie

Die respektvolle Zusammenarbeit zwischen KomplementärTherapeutin / Komplementär-Therapeut Methode Kinesiologie und Klientin / Klient, das partnerschaftliche Erarbeiten individueller Therapieziele sowie das Begleiten der ausgelösten Prozesse charakterisieren eine kinesiologische Behandlung. Sie ist geprägt vom Grundgedanken, dass die Lösung eines Ungleichgewichts und das Potenzial zur Veränderung in der Klientin / im Klienten selbst zu finden sind.

Kinesiologie lässt sich bei Krankheiten, Beschwerden, nach Unfällen und zur Gesundheitsvorsorge einsetzen. So führt der Wunsch nach Veränderung, persönlichem Wachstum und Entfaltung des eigenen Potenzials Menschen jeden Alters zur Kinesiologie.

Quelle: KineSuisse


Der Muskeltest

Das typische Merkmal und das gemeinsame manuelle Werkzeug aller Kinesiologie-Konzepte ist der Muskeltest.

Das System des Muskeltestens basiert auf der Grundannahme, dass der Organismus eine funktionelle Einheit ist, dessen Teile in vielfältiger Weise miteinander in Beziehung stehen und ein Netzwerk bilden.

Der Muskeltest ist ein Werkzeug, mit welchem Informationen aus dem ganzen Netzwerk gewonnen werden können. Er dient als Kommunikationsmittel, um Informationen aus dem innewohnenden Wissen des Organismus für die therapeutische Arbeit zu nutzen.

Dies ermöglicht einen differenzierten Einblick in das aktuelle Organisationsmuster der Klientin / des Klienten. Ihr / sein inneres Wissen kann optimal abgerufen und für einen vertieften therapeutischen Prozess genutzt werden. Der Muskeltest kann somit als körpereigenes Rückmeldesystem („Biofeedback”) verstanden werden, mit welchem die Wahrnehmung und Kommunikation im therapeutischen Setting um eine zusätzliche Qualität erweitert werden kann.

Muskeltests ermöglichen es, Ungleichgewichte und Störungen differenziert zu erfassen. Dabei METID Kinesiologie, KineSuisse 19.02.2016 12 erhält man Einblick in den Zustand von Muskeln vor und nach einer Intervention. Muskeltests können in sämtlichen Prozessphasen (begegnen, bearbeiten, integrieren, transferieren) zur Anwendung kommen. Die Durchführung der Muskeltests variiert und ist abhängig vom jeweiligen Kinesiologie-Konzept. Die Testergebnisse werden entsprechend dem Konzept interpretiert, wobei die Absichten, Zielrichtungen und Fragestellungen beim Testen in engem Zusammenhang mit den unter 4.1 und 4.2 genannten Modellen stehen. Je nach Modell gibt es unterschiedliche Vorstellungen, welche Bereiche über den Muskeltest angesprochen werden.

In einigen Ansätzen wird davon ausgegangen, dass der Muskeltest die Selbstwahrnehmung fördert, indem er Ungleichgewichte erfassen und aufzeigen kann, bevor diese ins Bewusstsein kommen respektive als Beschwerden wahrgenommen werden. Über den testbaren Muskeltonus können unbewusste Signale der Schnittstelle Körper / Seele / Geist erkannt, unmittelbar spür- und erlebbar gemacht und zur Stärkung der Selbstregulation genutzt werden. Damit werden bewusste Anteile eines Problems ergänzt durch auf Körperebene abgespeicherte Anteile. Die Integration von bewussten und unbewussten Anteilen in Bezug auf eine Problemsituation hilft, relevante Informationen sowohl zu krankmachenden wie auch zu gesundheitsfördernden Verhaltensweisen zusammenzutragen. Dadurch gewinnt ein Bewusstseinsprozess an Tiefe und regt Klientinnen und Klienten zu einer differenzierten Selbst- und Körperwahrnehmung an.

In anderen Ansätzen liegt der Fokus beim Muskeltesten vor allem auf körperlichen und energetischen Aspekten. Durch die nonverbale Kommunikation über Muskeltests und die unter 5.5 beschriebenen Testverfahren wird ein nicht vom Denken gesteuerter Zustand fokussierter Aufmerksamkeit in unterschiedlicher Entspannungstiefe erreicht. Dieser ermöglicht bei der Klientin / dem Klienten Prozesse auf körperlicher und energetischer Ebene, die sich als besonders wirksam für die Selbstregulation erweisen. Der Fokus liegt hierbei nicht im mentalen Verstehen, sondern auf dem Geschehenlassen körperlich-energetischer Veränderungen, die durch die Testreaktionen immer von der Klientin / dem Klienten selbst ausgehen.

Die Möglichkeit, Reaktionen des Selbst in Muskelsignalen zu erkennen und Veränderungen mit Hilfe der „Vorher-nachher-Muskeltests“ zu erleben, fördert die Motivation, den Körper in Alltagssituationen zu beobachten und seine Signale zu beachten. Ergänzt durch die gemeinsame Reflexion von Klientin / Klient und Therapeutin / Therapeut unterstützt der Muskeltest das Finden von körperlichen, seelischen und geistigen Ressourcen, die gezielt zur Förderung der Genesungskompetenz eingesetzt werden können. Diese Erfahrungen in der Arbeit mit Muskeltests unterstützen die Klientin / den Klienten auch darin, Krankheit und Genesung als „Sowohl-alsauch-Prinzip“ zu erkennen und dadurch das Verständnis zu entwickeln, dass im Problem auch bereits die Lösung in Form des Entwicklungspotenzials schlummert.

Der Prozess der kinesiologischen Sitzung stützt sich auf die individuelle Ganzheitlichkeit sowie Selbstkompetenz der Klientin / des Klienten ab. Die kinesiologischen Muskeltests als individualisierendes Arbeitsinstrument der Kinesiologie bringen in der Arbeit mit der Klientin / dem Klienten das Menschenbild sowie das Gesundheits- und therapeutische Verständnis zum Ausdruck, indem sie wertvolle Erkenntnisse zu ihrer / seiner einzigartigen persönlichen und gesundheitlichen Situation liefern und zugleich ihr / sein innewohnendes Potenzial wie folgt aufzeigen:

Ganzheitlichkeit: Die Kinesiologie betrachtet die Psyche, den Stoffwechsel und das Bewegungssystem als voneinander abhängig. Die Ergebnisse der Muskeltests werden als Ausdruck dieser Triade verstanden. • Individualität und Gemeinschaftlichkeit: Das Muskeltesten erzeugt nur in der „Zwiesprache“ zwischen Klientin / Klient und Therapeutin / Therapeut sinnvolle Ergebnisse. Diese sind immer subjektiv und situativ zu interpretieren. • Heterostase und Homöostase: Die Klientin / der Klient erlebt beim Testen der Muskeln die Reaktion ihres / seines Körpers unmittelbar und erfährt dadurch eindrücklich, wie rasch ein Ausgleich zu erreichen ist. Insbesondere der Wechsel der Testergebnisse auf unterschiedliche Reize unterstützt diese Wahrnehmung. METID Kinesiologie, KineSuisse 19.02.2016 13 •

Selbstkompetenz: Das Muskeltesten stellt für die Klientin / den Klienten ein körpereigenes Biofeedback dar. Die Therapeutin / der Therapeut trägt die Fertigkeit des Testens bei und unterstützt den Klienten in seiner Selbstwahrnehmung, sowie bei der Interpretation und Einordnung der Testergebnisse.

Interpretationsmöglichkeiten des Muskeltests

Es existieren verschiedene Arten der Interpretation von Muskeltests:

  1. Direkter Muskelbezug: Hier wird der Test eines Muskels eingesetzt, um die Energie oder Funktion dieses Muskels direkt zu testen.
  2. Muskel-Meridian-Bezug: Ein Testergebnis wird als Information über den dem entsprechenden Muskel zugehörigen Meridian interpretiert.
  3. Indikatormuskeltest: Ein Muskel wird als Indikator für ein anderes Körpersystem der getesteten Person eingesetzt oder gibt Auskunft über den energetischen Zustand oder die Funktion dieses Systems.
  4. Stressindikator: Die Testreaktion eines Muskels auf einen beliebigen Reiz wird als Stress oder kein Stress interpretiert. Ein normotoner Muskel zeigt an, dass sich das getestete System im Gleichgewicht befindet, ein hyper- oder hypotoner Muskel weist auf einen Stressor hin.
  5. Frage: Muskeltests können als Mittel eingesetzt werden, um auf geschlossene Fragestellungen eine Ja / Nein-Antwort aus der Quelle des getesteten Systems zu erhalten. Dabei werden die Grenzen, wie in Kapitel 7.2 beschrieben, berücksichtigt.


Muskeltesten ausserhalb der METID Kinesiologie Einige Muskeltests (z.B. der Test des M. deltoideus medius) und einige KinesiologieTechniken (z.B. der einfache Nahrungsmitteltest) scheinen leicht erlernbar. Dadurch, und durch den relativ hohen Bekanntheitsgrad der Kinesiologie, werden diese Tests und Techniken gelegentlich auch in anderen Zusammenhängen verwendet oder auf Alltagssituationen übertragen. Meist wird dabei die Aussagekraft solcher „Off-Label“-Anwendungen überschätzt. Gelegentlich werden solche Tests auch als Diagnose-Instrument verwendet. Daraus resultiert das häufig zu findende Missverständnis, die Kinesiologie sei ein Diagnose-System

Quelle: Methodenbeschrieb KineSuisse




 
 
 

Psoas-Hüftbeuger der Selenmuskel

Der Psoas - unser Seelenmuskel - ein bedeutender Muskel für JedenMusculus psoas major (© nerthuz / Fotolia)

Unser musculus psoas (der große Lendenmuskel) ist einer der verstecktesten Muskeln in unserem Körper. Der Muskel entspringt rechts und links im unteren Bereich der Wirbelsäule und verläuft durch den Unterbauch sowie das Becken und endet am oberen Ende des Oberschenkelknochens. Somit ist dieser Muskel die einzige Verbindung zwischen unserer Wirbelsäule und den Beinen. Aus funktioneller Sicht ist dieser Muskel unser wichtigster Hüftbeugemuskel.

In dieser besonderen Lage sorgt unser Psoas für eine aufrechte Haltung, für die Balance unseres Skeletts und für die Beweglichkeit der Gelenke. Darüber hinaus hat dieser Muskel Auswirkung auf die Durchblutung, die Organfunktion und die Zwerchfellatmung.

Ein normaler, gesunder Psoas fungiert als eine Art Drahtseil zwischen Unter- und Oberkörper, sodass er auf jede Bewegung der Wirbelsäule reagieren kann. Er dient damit als Stabilisation für unsere Wirbelsäule. Mit Hilfe des Rumpfes werden die lebenswichtigen Organe im Unterbauch gehalten.

In unserem hektischen und schnelllebigen Alltag – ständiges und stressbedingtes Ausschütten von Adrenalin – spannen wir den Psoas Muskel oft unbewusst und überdauernd an. Über einen längeren Zeitraum kann dies ein chronisches Triggern des Psoas Muskels bewirken. In diesem Zustand ist unser Körper also ständig im „Renne- oder Kämpfe-Modus“. Die Kraft des Psoas Muskels ist in diesem Sinne eigentlich dafür vorgesehen, in Aktion zu treten, was wir in unserem modernen Lebensstil jedoch selten richtig ausnutzen.

Durch das ständige Anspannen kann der Psoas Muskel eine große Anzahl verschiedener schmerzhafter Symptome hervorrufen. Beispielsweise: Rückenschmerzen, Bandscheibenprobleme, Ischias, Skoliose, Hüftdegeneration, Knieschmerzen und Verdauungsprobleme.

Auch die umliegenden Organe werden durch das Anspannen des Muskels beeinflusst: Organe werden eingeengt, Nerven werden unter Druck gebracht und die allgemeine Beweglichkeit, sowie die Zwerchfellatmung können eingeschränkt werden.

Unter Daueranspannung des Psoas Muskels werden dem Körper stetig die Signale von Gefahr übermittelt, was irgendwann ebenfalls zu einer Entkräftung des Immunsystems sowie der Nebenniere führen kann. Der beschriebene Zustand wird oft noch durch zu enge Kleidung, viel Sitzen, falsche Schuhe, Bewegungsmangel usw. verstärkt.

Um diesen unnötigen Spannungen entgegen zu wirken, hilft es Stresshormone abzubauen und für eine Entspannung, Lockerung und Dehnung des Psoas Muskels zu sorgen. Denn wenn unser Psoas Muskel frei ist und funktionell arbeiten kann, können auch unsere Energien im Körper besser und leichter fließen.

Folgende Übungen können Ihnen helfen, Ihren Psoas Muskel zu entspannen:

 

Abrollen der Oberschenkel Vorderseite

In Bauchlage platzieren Sie die Rolle unter dem gestreckten Bein auf Höhe des Hüftbeugemuskels. Rollen Sie diese Stelle sowie die ganze Oberschenkel Vorderseite gleichmäßig bis zum Beckenkamm ab. Zum Stabilisieren winkeln Sie das andere Bein an. Rollen Sie 8-12 Mal in einem langsamen aber gleichmäßigen Tempo hin und her.

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Ausfallschritt mit Rolle unter Knie, Aufdehnen:

Kommen Sie in einen Ausfallschritt, die Fußspitzen zeigen nach vorne. Platzieren Sie die Faszienrolle blackroll-orange oberhalb vom hinteren Knie. Achten Sie darauf, dass der vordere Fuß senkrecht unter dem Knie steht. Versuchen Sie in dieser Position tief zu gehen. Ihre gestreckte Hüfte zeigt nach vorne unten und der Oberkörper ist nach oben hinten aufgerichtet. Spüren Sie die Dehnung im Hüftbeuger.

Halten Sie diese Position mindestens 90 Sekunden. Leichtes Wippen ist erlaubt. Führen Sie diese Übung auf jeder Seite 2 Mal durch.

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Schmetterlings-Sitz:

Setzten Sie sich aufrecht auf den Boden und führen Sie Ihre Fußsohlen zusammen. Lassen Sie nun langsam Ihre Knie seitlich Richtung Boden fallen. Spüren Sie die Dehnung und versuchen Sie das Gewebe durch bewusstes Atmen loszulassen. Es können in dieser Position auch kleine Wippbewegungen mit den Knien durchgeführt werden.

Dehnen Sie zweimal 90 Sekunden.

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Rolle unter das Steißbein legen

Platzieren Sie die Massagerolle in Rückenlage unter Ihrem Steißbein, sodass Ihr Körper eine Art Bogen über die Rolle bildet. Spüren Sie das Aufdehnen des Hüftbeugers und versuchen Sie mit einer tiefen und gleichmäßigen Atmung immer mehr loszulassen.

Halten Sie diese Position bis zu 2 Minuten.

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Befreien Sie Ihren Psoas von Dauerspannung.

Viel Freude mit dem neuen Körpergefühl,

Ihr Joachim Auer